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RADIO SYLVIA - DIE ANFANGSZEITEN

Als RTI-Nachfolger gründeten wir am 7. Juli 1977 Radio Sylvia. Namensgeberin war die 1972 erschienene Single "Sylvia" der niederländischen Band "Focus" - dieser Titel ist bis heute unsere Erkennungsmelodie. Zunächst begannen Test- und reguläre Sendungen auf Mittelwelle 1345 und 1562 kHz, die jedoch unter permanenten technischen Schwierigkeiten litten und im Juni 1978 wieder eingestellt wurden.

Das Ziel war nun eine Wiederaufnahme der Sendungen auf UKW mit stärkerem Sender an neuen Standorten: Im November 1978 startete Radio Sylvia mit regelmäßigen Sendungen auf UKW 100,5 MHz, die an jedem ersten Sonntag des Monats stattfanden und vier Stunden dauerten. Aus Sicherheitsgründen wurden alle Programme in einem geheimen Aufnahmestudio vorproduziert. Die eigentliche Ausstrahlung der Programme erfolgte von wechselnden Standorten im Gelände, ohne dass dort während der Sendungen Personen anwesend waren. Nach anfänglich ungestörter Sendetätigkeit gerieten wir unter immer stärkeren Druck seitens der Behörden. Mehrfach trafen Post und Polizei an unseren Sendestandorten ein und konfiszierten die Ausrüstung, ohne jedoch jemanden anzutreffen. Es gelang uns trotzdem lange Zeit, einen regelmäßigen Sendebetrieb aufrecht zu erhalten. Problematisch war aber, dass den Behörden inzwischen die meisten unserer Sendestandorte bekannt waren und wir auf keine anderen - weiter entfernten - Standorte ausweichen konnten, ohne dass sich unser Empfangsgebiet erheblich verschieben würde. Uns blieben nur zwei Möglichkeiten: Einstellung der Sendungen oder erneuter Wechsel auf Kurzwelle, die uns die Möglichkeit eröffnete, ohne Auswirkungen auf das Empfangsgebiet auch weit voneinander entfernte Standorte zu benutzen.

Wir entschieden uns für die zweite Variante, wechselten auf Kurzwelle 6225 kHz und sendeten fortan wieder regelmäßig einmal im Monat. Der Hörerzuspruch war sehr positiv; über unsere Postfachadresse in Hamburg traf Hörerpost aus ganz Europa ein. Aber wie so oft in der Vergangenheit blieben den Behörden auch Radio Sylvias Kurzwellenaktivitäten nicht verborgen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelang ihnen am 9. Dezember 1984 der große Schlag: Die Sendung auf 6225 kHz war bereits etwa 90 Minuten gelaufen, als Post und Polizei am Sendestandort eintrafen. Es blieb keine Zeit zur Flucht. Vier Personen wurden vorläufig festgenommen; die Sendeanlage (bestehend aus Kurzwellensender, SWR-Meter, Halbwellendipol, Autobatterie, Spannungswandler und zwei Cassettendecks) wurde abgeschaltet und sichergestellt. Bei den anschließenden vier Haussuchungen erfolgte die Beschlagnahme zweier Kurzwellenempfänger, darüber hinaus wurden Programmtonbänder, Werbematerial sowie mehrere Hörerbriefe konfisziert. Das Aufnahmestudio wurde nicht gefunden.

Anlässlich der Aushebung von Radio Sylvia ließen wir eine Todesanzeige drucken, die wir an unsere Hörer verschickten. Einige Monate später wurden wir zu hohen Geldstrafen verurteilt.